Als eine Mail mit einem Testangebot für einen smartes Vogelhaus mit Kamera in mein Postfach flatterte, musste ich nicht lange überlegen. In Erinnerung an Mark Robers legendäres Eichhörnchen-Parkourvideo war mein Interesse sofort geweckt, denn auch da begann alles mit dem Beobachten von Vögeln. Mein Vater experimentiert zudem seit Jahren mit einer Wildkamera im Garten, um Rehe im Winter aufzuzeichnen. Das klappt zugegeben mehr schlecht als recht. Auch beim Thema Vogelbeobachtung ist mein Vater Feuer und Flamme und ich muss sagen, dass ich mich über meine ersten Besucher sehr gefreut habe. Das von mir getestete Gerät heißt laut Herstellerwebsite Kiwibit Bird Feeder 2, wird bei Amazon aber unter verschiedenen anderen Bezeichnungen verkauft.
Ich verlinke euch das richtige Produkt einfach in diesem Test, klar erkennbar am Design. Es gibt eine Standardversion mit optionalem Abo und eine Version, bei der die KI-Artenerkennung dauerhaft ohne Abo freigeschaltet ist. Das finde ich ehrlich gesagt etwas eigenartig, aber dazu später mehr. Ich habe jedenfalls die Standardversion mit Versand durch Amazon die letzten vier Wochen getestet. Auf der Verpackung oder im Netz begegnet euch womöglich noch der Name Beako: Kiwibit hat seine Vogelhäuser bislang unter der Marke „Kiwibit Beako“ verkauft und nutzt nach einem Marken-Refresh in diesem Jahr nur noch „Kiwibit“.
Akkulaufzeit des Kiwibit Bird Feeder 2
Starten wir etwas unorthodox mit der Akkulaufzeit, denn die lag bei mir ziemlich exakt bei vier Wochen. Das klingt nicht nach viel, ist für mich aber völlig ausreichend. Ich muss hier allerdings klar sagen, dass sich die Laufzeit durch die Solarpanels auf dem Dach natürlich deutlich verlängern lässt. Das Problem bei mir ist der sehr geschützte Standort, wodurch kaum bis keine Sonne auf die Panels fällt. Je nach Platzierung müsst ihr also deutlich seltener laden. Den Akku entnehmt ihr einfach unten und ladet ihn unabhängig vom Vogelhaus. Ich finde das äußerst praktisch und durchdacht.
Lieferumfang und Verarbeitung
Im schicken Karton mit der Aufschrift Beako befindet sich das smarte Vogelhaus von Kiwibit in fünf Einzelteilen. Kiwibit liefert Zubehör für drei verschiedene Befestigungsarten mit und auch alles, was für eine direkte Inbetriebnahme notwendig ist. Einzig eine microSD-Karte fehlt leider und auch ein entsprechender Pfosten für die Pfostenmontage ist nicht mit dabei.
Mit dabei sind Wandhalter, Pfostenhalter, Baumgurt, Schraubenset, USB-C-Kabel und ein Inbusschlüssel. Ohne Futter (wird ebenfalls nicht mitgeliefert) bringt das smarte Vogelhaus von Kiwibit 1,8 Kilogramm auf die Waage. Ich habe mich für die Befestigung per Gurt entschieden, was angesichts des dünnen Geästs meines geplanten Aufstellungsortes nicht so gut funktionierte. Allerdings konnte ich an der entsprechenden Halterung problemlos Kabelbinder anbringen und das Vogelhaus im Vergleich zum Gurt so bombenfest fixieren. Verarbeitung, Dachmechanik, Zusammensetzung und Materialwahl vermitteln einen hochwertigen Eindruck. Wie wetterfest und UV-beständig das Ganze wirklich ist, wird erst die Zeit zeigen. Aktuell sieht es natürlich noch super aus und auch die Solarpanels im Dach wirken durchdacht, wobei ein frei platzierbares Solarpanel womöglich die bessere Wahl wäre.
Wahl des richtigen Standorts
Entscheidend für den richtigen Standort sind die Deckungsmöglichkeiten für scheue Vögel und die richtige Platzierung zur Sonneneinstrahlung, sonst seht ihr womöglich gar nichts. Katzensicher sollte der Standort natürlich auch sein. Ich habe mich wie bereits geschildert für die Montage in einem kleinen Baum entschieden und damit sind die Solarpanels überflüssig. WLAN ist für den geplanten Standort ebenfalls entscheidend, was ich am Ende des Gartens z. B. nicht mehr hätte.
Ansonsten ist das Abnehmen und Anschrauben an der Halterung für eine größere Säuberung wirklich schnell und unkompliziert.
Einrichtung und App
Account-Zwang und 80€ im Jahr für das Abo schrecken erstmal mächtig ab. Aber ganz so schlimm ist das Ganze nicht. Ich nutze bei der Standardversion aktuell die kostenlose Testphase des Abos „Kiwibit Plus“. Folgende Funktionen sind an das Abo gekoppelt:
- KI-Artenerkennung mit über 10.000 Arten, die Kernfunktion
- Sammlung/Bird Collection: Protokoll aller bisher erschienenen Arten
- Vogel-Wiki mit Artinfos
- Artenbezogene Push-Benachrichtigungen („Rotkehlchen ist da“) statt reiner Bewegungsmeldung
- Benutzerdefinierte Alarmzonen im Bild
- Aufnahmelänge bis 3 Minuten und Aufnahmen ohne Cooldown zwischen Clips
- Cloud-Speicher 60 Tage statt 24 Stunden
- Automatischer Tieralarm gegen Eichhörnchen (manuelles Auslösen geht auch ohne)
- KeyShot-Galerie, Besuchszusammenfassungen, Bird Story
Ohne Abo bleibt: Live-Ansicht in 4K, Bewegungsaufnahme, einfache Push-Benachrichtigung, Zwei-Wege-Audio (man hört die Vögel auch, was wirklich ein cooles Feature ist) microSD-Aufzeichnung bis 512GB, Geräteteilung mit bis zu 20 Personen, Alexa-Anbindung, 24 Stunden rollierender Cloud-Speicher. Das reicht zum Einstieg allemal aus. Wenn euch die KI-Artenerkennung von Beginn an wichtig ist, greift gleich zur Version ohne Abo. Dort sind die Artenerkennung und die Benachrichtigungen bei Vogelbesuchen dauerhaft ohne laufende Gebühr nutzbar. Alle oben genannten Plus-Funktionen enthält sie laut Kiwibit aber nicht. Prüft deshalb vor dem Kauf, welche davon euch wichtig sind.
Die Einrichtung mit dem Alexa Skill ist mit zwei Klicks erledigt und man kann sich jederzeit das Kamerabild anschauen. Ansonsten könnte die Einrichtung mit der App kaum einfacher sein und ist in Windeseile erledigt. Einmal noch durch die Einstellungen klicken und fertig. Ihr platziert das Vogelhaus und es verrichtet ab sofort seine Arbeit.
Bildqualität: Was von 4K übrig bleibt
Im Standard steht die Aufnahmequalität nur auf SD, das solltet ihr zunächst auf 4K umstellen, um bestmögliche Aufnahmen zu erhalten. Die Bildaufnahmen aus der App mit effektiv 4-5MP sind in Ordnung, hauen mich aber nicht vom Hocker. Da sehen die Videos von den Vögeln schon deutlich besser aus und machen mehr Spaß beim Anschauen. In der Live-Ansicht kann ich neben 4K-Videos auch manuell “4K-Fotos” aufnehmen. Die automatischen Zuschnitte in wahlweise 4:3 oder 16:9 haben hingegen eine deutlich niedrigere Auflösung. Auch die Zuschnitte der Aufnahme sind teils etwas eigenartig. Schaut einfach selbst, was aus der App so rauskommt.
Für die Dokumentation der Besucher ist das absolut ausreichend und die Videos sind meiner Meinung nach der eigentliche Mehrwert. Wer schöne Aufnahmen will, legt sich mit seiner Kamera wahrscheinlich ohnehin auf die Lauer und auch mir brennt es da schon in den Fingern. Je nachdem, wo der Vogel auf dem Gestänge sitzt, ist er mal mehr oder weniger scharf. Das ist nicht ungewöhnlich, denn die Kamera hat einen festen Fokus. Richtig scharf wird es entsprechend auch bei 4K-Videos nicht. Bei Nacht hatte ich leider noch keinen Besucher und mit Gegenlicht hatte ich durch den geschützten Standort auch keine Probleme. Erstgenanntes werde ich zeitnah updaten, denn so viele unterschiedliche Besucher konnte ich in meinem Wohngebiet noch nicht zählen.
KI-Vogelerkennung im Praxistest
Bislang hatte ich vor allem viele Besuche von Kohlmeisen und gelegentlich war eine Blaumeise zu Gast. Das wurde auch klar zugeordnet und ist für mich als Laie nach kurzer Recherche stimmig. Zuletzt dann auch noch eine Elster.
Alltag: Befüllen, Reinigen, Vogelschutz
Etwas blauäugig hatte ich zunächst beide Tanks prall gefüllt und dachte, dann muss ich nichts mehr machen. Aber nach einer kurzen Recherche zur Ganzjahresfütterung von Vögeln stellte ich fest, dass Hygiene bei Futterstellen eine wichtige Rolle spielt. Beim ersten Gewitter wurde schon alles nass und entsprechend musste ich das Futter in der Auslage auch schon austauschen. Mein Aufstellungsort ist aber dennoch geschützt und ihr könnt jederzeit etwas Futter aus dem Tank rauslassen, wenn es wieder notwendig sein sollte. So viel ist bei mir eben noch nicht los. Wichtig ist jedenfalls, immer ein Auge auf das Futter zu haben. Sonst helft ihr den Vögeln nicht, sondern macht sie einfach nur krank. Ganzjahresfutter für unsere heimischen Vogelarten gibt es hingegen in jedem Supermarkt und gerade meine Sonnenblumenkerne ohne Schale werden von den Meisen sehr gut angenommen.
Ein Besuch durch ein Eichhörnchen blieb bislang aus, dafür hat der Kiwibit Bird Feeder 2 aber auch eine Funktion parat. Ob die etwas hilft, wird sich dann zeigen. Es gibt Stimmen im Netz, die sagen, dass sich die Tiere binnen weniger Tage daran gewöhnen, womit wir wieder beim Video zu Beginn dieses Tests wären.
Datenschutz, Cloud und rechtliche Stolpersteine
Ein vergleichsweise junger Anbieter, der mit lebenslanger KI wirbt und dessen Vogelerkennung auf eigenen Servern läuft, ist immer ein gewisses Risiko, das sollte vorab klar sein. Letztendlich filmt das Vogelhaus im Idealfall nur die Vögel und einen nicht zuordenbaren Hintergrund. Auf Nachbargrundstücke zu filmen könnte euch ansonsten theoretisch Probleme einhandeln, das solltet ihr ebenfalls beachten.
Testergebnis
Die offensichtliche Alternative ist das Ausrichten einer Outdoor-Kamera auf die ohnehin schon bestehende Futterquelle, also die DIY-Lösung. Da werdet ihr bei Amazon problemlos fündig und spart viel Geld. Andererseits entfallen dann die coolen Funktionen, die hier vor allem mit der Cloud kommen, etwa das Erkennen der Vogelarten und die umgehende Benachrichtigung, wenn ihr Besuch habt. Das ist schon ein Mehrwert, der dem einen oder anderen wohl die fast 300€ wert sind. Alternativen findet ihr ansonsten bei Amazon zuhauf, zu denen ich allerdings nichts weiter sagen kann, denn das smarte Vogelhaus von Kiwibit ist mein erster Kontakt mit der Beobachtung von Vögeln. Und ich muss ehrlich sagen, dass es mir Spaß bereitet und Kiwibit einen sehr leichten und schnellen Einstieg ermöglicht. Insbesondere die Videoqualität ist gut und die wenigen Arten, die ich zu Besuch hatte, wurden zugeordnet.
Kritikpunkte bleiben dennoch das Abo-Modell, das ich für ein Vogelhaus schon etwas daneben finde, und der hohe Aufpreis für die „Ohne Abo“-Variante. Zudem ist die Gurtbefestigung nur an einem dicken Stamm wirklich gut möglich, wobei die Alternative mit Kabelbindern für jeden einfach umsetzbar und die mitgelieferte Halterung entsprechend gut ist. Schreibt mir gerne in die Kommentare, was ihr zum Beobachten oder Füttern von Vögeln so nutzt. Vielleicht schaue ich mir dann auch noch ein Konkurrenzprodukt genauer an.
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