Creality ist in der Welt der „preiswerten“ 3D-Scanner inzwischen fast schon eine Institution. Als einer der wenigen Hersteller in der 3D-Welt bringt Creality immer wieder frischen Wind in den Markt. Nachdem wir letztes Jahr schon den Otter (zum Test) testen durften, erscheint mit dem Pika nun ein neues Modell. Creality bewirbt ihn als „3D-Scanning im Taschenformat“. Sein wichtigstes Merkmal ist also die Größe: Der Pika passt in jede Hosentasche. Dazu kommen natürlich moderne KI-Funktionen und eine Genauigkeit von 0,03mm. Ob es Creality gelungen ist, die hohe Qualität trotz der geringen Größe zu halten, haben wir für euch getestet.
Lieferumfang des Creality Pika
Der Pika kommt in einer edlen Box, deren clevere Laschen an den Unterboxen für ein angenehmes und schönes Auspackerlebnis sorgen. Neben dem Scanner selbst liegen im Lieferumfang:
- eine Glasplatte zur Kalibrierung
- ein kleines Stativ
- ein Set aus Positionsmarkern
- ein USB-C-Kabel zur Verbindung mit dem Computer
- zwei (!) Akkus
- zwei Verdunklungslinsen (NIR-Filter) für das Scannen im Freien
- Garantiekarte und Kurzanleitung (QR-Code)
- eine ungepolsterte Tasche zum Verstauen
- ein Drehteller mit sechs Markierungstürmen
Insgesamt ist das Zubehör von guter Qualität. Die Tasche hätte etwas schöner sein können und die Positionsmarker werden gerade bei häufigem Gebrauch nicht besonders lange halten. Darüber können wir aber hinwegsehen.
Ein Scanspray liegt nicht bei. Das ist aber auch nicht nötig, denn der Pika kommt überraschend gut mit sämtlichen Oberflächen klar. Dazu später mehr.
Design und Verarbeitung
Da der Scanner so kompakt und leicht wie möglich sein soll, spart Creality beim Design natürlich, wo es geht. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff und ist mit Abmessungen von 100 x 60 x 35 Millimeter nicht viel größer als eine Action-Cam. Auch das Gewicht von 260 Gramm sorgt dafür, dass der Pika in jede Jackentasche passt. Die Scan-Module befinden sich natürlich auf der Vorderseite, wobei blauer Laser und IR-Funktion jeweils eigene Linsen haben. Auf der Oberseite sitzen zwei Tasten: eine zum Einschalten, eine zum Starten des Scans. Seitlich finden wir den USB-Anschluss sowie die Akku-Klappe. Die Unterseite bietet zu guter Letzt ein 1/4-Zoll-Gewinde für das Stativ.
Eine weitere Besonderheit ist das 3 Zoll große Display auf der Rückseite. Es fällt zwar klein aus, zeigt aber eine Vorschau, was beim Scannen super praktisch ist.
Die Verarbeitung ist tadellos: Alle Kanten sind sauber verrundet, die Spaltmaße sitzen. Hinten befindet sich zudem eine kleine Noppe, sodass ihr den Scanner ablegen könnt, ohne das Display zu zerkratzen. Smart!
Technische Daten des Creality Pika
Creality bietet mit dem Pika zwei Optionen zum Scannen. Zunächst wäre da der blaue Laser mit 7 Linien. Diese Technologie schafft eine Genauigkeit von bis zu 0,03mm und nimmt mit bis zu 110fps auf. Sie eignet sich für kleinere Modelle ab 10mm Kantenlänge. Der nötige Scan-Abstand beträgt dabei 16 bis 40cm.

Im Inneren arbeitet ein Achtkern-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 2,0 Gigahertz. Dieser übernimmt aber anscheinend nur das „Datenmanagement“, die eigentliche Berechnung erfolgt mit der Hardware des angeschlossenen Geräts. Verbinden lässt sich der Scanner wahlweise per USB-C-Kabel (USB 3.0) oder per Wi-Fi 6. Die Scan-Frequenz unterscheidet sich dabei übrigens, wohl aufgrund der Rechenleistung und der Verbindungsart: Nur mit einem Computer und Kabelverbindung lassen sich die vollen Scan-Frequenzen abrufen.
Die Stromversorgung übernimmt ein 3.350mAh-Akku, den ihr einfach austauschen könnt, um auch längere Scan-Sessions zu ermöglichen.
Software
Die kostenlose Software „CrealityScan“ könnt ihr einfach über die Creality-Webseite herunterladen und installieren. Sie überzeugt mit einer intuitiven Oberfläche und einfacher Handhabung. Besonders positiv fällt die unkomplizierte Nachbearbeitung auf, sei es das Bereinigen der Scandaten oder die Ausrichtung der Scans zueinander. Ein leistungsstarker Rechner ist hierbei von Vorteil, frei nach dem Motto „Viel hilft viel“. 😉
Während es bei früheren Versionen noch einige Hürden gab, lief CrealityScan 4.3.0 auf meinem Windows-11-Rechner reibungslos. Nach dem Start der Software seht ihr oben links, ob der Pika bereits verbunden ist. Wollt ihr per USB-C-Kabel arbeiten, müsst ihr den Schalter auf der linken Seite des Scanners manuell auf „USB“ stellen. Anschließend schließt ihr das mitgelieferte Kabel an und es kann direkt losgehen. Sollte sich der Scanner einmal nicht auf Anhieb verbinden, hilft das klassische Prinzip: Stecker raus und wieder rein.
Ist die Verbindung hergestellt, könnt ihr den Scanner optional mit der Kalibrierungsplatte kalibrieren. Das Programm führt dabei verständlich durch den Prozess. Andernfalls legt ihr direkt ein neues Projekt an, wählt darin den gewünschten Modus aus, passt alle Einstellungen an und startet den Scan zuletzt mit der Play-Taste.
Der kabellose Modus erfordert einige zusätzliche Schritte: Dafür stellt ihr den Hebel am Gerät auf den WLAN-Modus, verbindet Laptop oder Smartphone mit dem WLAN-Signal des Scanners und gebt das auf dem Display angezeigte Passwort ein.
Nach dem Scan zeigt die Software die Dateien an. Auf Wunsch erledigt die KI von CrealityScan alles Weitere: Zusammenfügen, Löcher füllen, Flächen bereinigen … All diese Funktionen stehen auch manuell zur Verfügung. Zuletzt exportiert ihr die fertige Datei als .stl oder in vielen anderen Formaten und könnt sie weiterverwenden.
Der Creality Pika in der Praxis
Stehen Software und Verbindung, kann der erste Scan auch schon losgehen. Auch hier führt die Software intuitiv durch den Prozess. Je nach Größe und nötiger Genauigkeit stehen die oben beschriebenen Modi zur Verfügung. Vier davon haben wir ausprobiert.
Kleine Modelle: mit Marker

Für die Rückseite braucht es natürlich einen zweiten Scan, den die Software anschließend mit dem ersten zusammenfügt. Im Bild unten seht ihr, wie einfach das geht: 3 Referenzpunkte auswählen, den Rest erledigt die Software. Chapeau, Creality, das ist echt gut.
Mittleres Modell: ohne Marker

Abgesehen von der niedrigeren Arbeitsgeschwindigkeit müsst ihr hier natürlich achtgeben, den Scanner nicht zu sehr zu verwirren. Das Tracking erfolgt nämlich anhand der zuvor gescannten Punkte, und je nach Bewegung kann der Scanner auch mal die Orientierung verlieren. Das lässt sich zum Glück in der Regel beheben, indem ihr pausiert und zu einem bekannten Punkt zurückkehrt.
Dieser Modus ist ein Heilsbringer für alle Objekte, die sich nicht bekleben lassen oder schlicht zu verwinkelt für Marker sind.
Großes Modell: ohne Kabel / IR-Modus
Der IR-Modus ist für größere Objekte, aber auch für Gesichter gedacht. Gerade Letzteres ist wichtig, denn auch wenn der Laser als Klasse 1 angegeben ist, empfehlen wir keinesfalls, jemandem damit in die Augen zu leuchten.
Viele Scanner tun sich besonders bei Haaren schwer, diese als Geometrie zu erkennen, der Pika jedoch nicht. Wie auf dem Beispielbild zu sehen ist, gelang der Scan nicht nur hervorragend, sondern war auch super einfach umzusetzen.
Ohne Kabel arbeitet es sich besonders gut im IR-Modus, denn diesen könnt ihr immer ohne Marker nutzen. Mit etwas Übung gelingen auch größere Geometrien schnell und problemlos.
Handymodus
Der Handymodus klingt erst mal praktisch, ich hatte jedoch Probleme, ganze Scans fertigzustellen: Jedes Mal ist der Scan mittendrin abgebrochen. Schade, denn ohne Laptop im Gepäck reichen zwei Hosentaschen für das gesamte Setup. Die Daten lassen sich im Anschluss über einen Link auf den PC laden. Bleibt nur zu hoffen, dass Creality hier noch nachbessert.
Testergebnis
Alles in allem war ich mit dem Creality Pika sehr zufrieden. Die Bedienung ist einfach und intuitiv. Dazu kommen die kompakte Größe und das geringe Gewicht, sodass sich der Scanner bequem transportieren lässt. Endlich ist es Creality auch gelungen, die Schwierigkeiten mit Haaren und dunklen Oberflächen auszumerzen.
Für ca. 700€ ist das ein hervorragendes Ergebnis. Natürlich geht es noch einen Tick präziser, gerade für Einsteiger bietet der Pika jedoch einen einfachen Scan-Prozess und brauchbare Ergebnisse ohne Übung.
Wer also gerade auf der Suche nach einem guten 3D-Scanner ist, macht mit dem Creality Pika alles richtig.
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