Akku Degradation nach 32 Monaten – Das Poco F5 im Langzeittest
Das Poco F5 zählte 2023 zu den echten Geheimtipps unter den günstigen Mid-Range-Smartphones. Ein topaktueller Prozessor (Snapdragon 7+), bis zu 12GB Arbeitsspeicher und ein 6,67 Zoll großes AMOLED-Display waren damals starke Kaufargumente. Damit war das Poco F5 auch für mich als preisbewussten Käufer die erste Wahl.
Gekauft habe ich das Smartphone im Februar 2024 und nutze es bis heute als täglichen Begleiter. Wie ihr sicher wisst, liegt mein Hauptfokus auf erneuerbaren Energien sowie Solar- und Speichertechnik. Daher bin ich im Gegensatz zu meinen Kollegen der Smartphone-Redaktion nicht mit den neuesten Modellen bewaffnet. In diesem kleinen Artikel geht es mir nicht vorrangig um die Leistung des Poco F5 nach mehr als zwei Jahren, sondern um die Entwicklung des Akkuverschleißes nach mehr als 700 Ladezyklen.
Der Akku des Poco F5
Das Poco F5 hat einen fest verbauten Lithium-Polymer-Akku mit einer Kapazität von 5.000mAh. Die verwendete Akkutechnik erreicht eine hohe Energiedichte und erlaubt kabelgebundenes Schnellladen mit bis zu 67 Watt. Hinsichtlich der Langlebigkeit ist der Akku so ausgelegt, dass er nach rund 600 bis 800 vollständigen Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität behält.
Wie wurde der Akku geladen?
Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin kein Nutzer, der besonderen Wert auf Akkupflege legt. Ich schließe das Handy abends einfach an das Ladegerät an und lasse es dort bis zum nächsten Morgen. Als Ladegeräte nutze ich fast ausschließlich Schnellladeadapter, die Xiaomis hauseigene Ladestandards unterstützen. Damit lädt das Telefon mit bis zu 67W. Die tatsächliche Ladeleistung liegt je nach Akkutemperatur und Ladestand aber meist bei durchschnittlich 30W.
Dank des stromsparenden Prozessors und der ordentlichen Akkukapazität musste ich den Akku im Tagesverlauf äußerst selten nachladen. Nur bei längerer Nutzung als Navigationsgerät oder beim Geocaching habe ich das Poco F5 auch mal per Kfz-Adapter oder Powerbank geladen.
Anzahl der Ladezyklen
Nach heutigem Stand nutze ich das Telefon seit genau 961 Tagen. Da könntet ihr annehmen, dass der Akku auch bereits ähnlich viele Ladezyklen absolviert hat. Das ist aber bei weitem nicht der Fall. Dazu müsst ihr verstehen, wie sich die Berechnung eines Ladezyklus zusammensetzt.
Ein vollständiger Ladezyklus ist dann erreicht, wenn ihr eine Akkukapazität von insgesamt 100 Prozent vollständig verbraucht und wieder aufgeladen habt, wobei das keineswegs an einem Stück geschehen muss. Wenn das Smartphone beispielsweise an zwei Tagen jeweils von 50 auf 100 Prozent geladen wird, entspricht das zusammengenommen einem vollen Ladezyklus.
Weniger Verschleiß entsteht für den Akku vor allem dann, wenn ihr ihn in seinem optimalen Wohlfühlbereich zwischen 20 und 80 Prozent Ladestand betreibt. Deutlich langlebiger bleibt der Energiespeicher, wenn ihr den Stecker bereits bei etwa 80 Prozent zieht (oder entsprechend in den Einstellungen konfiguriert) und das Gerät gar nicht erst in den niedrigen Prozentbereich abfallen lasst.
Weil der Akku vor allem in der Anfangszeit am Abend meist noch bis zu 50% Restkapazität bot, würde ich von maximal 700 Vollzyklen in diesen 961 Tagen ausgehen. Weiterhin habe ich über den gesamten Zeitraum die AccuBattery-App für Android verwendet. Diese überwacht die Ladevorgänge, protokolliert aber leider nicht automatisch jeden Vorgang. Die Energiesparoptionen des Poco F5 setzten die App gelegentlich außer Kraft, sodass sie weniger als die Hälfte aller Zyklen erfasst hat. Dennoch ist das ein guter Anhaltspunkt, um den Akkuverschleiß genauer zu analysieren.
SoH von 74%, oder doch nicht?
Laut der AccuBattery-App liegt die verbleibende Akkukapazität des Poco F5 noch bei rund 3.711mAh, was einem SoH (State of Health oder Akkugesundheit) von 74% entspricht. Die durchschnittliche Degradation liegt damit bei fast 10% im Jahr.
- letzte 3 Monate
- letztes Jahr
- gesamte Zeit
- Akkugesundheit
Schauen wir uns den Verlauf der Ladevorgänge an, wird deutlich, dass die Alterung des Akkus nicht linear verläuft. Im ersten Jahr verliert der Akku einiges an Kapazität (bis zu 10%) und pegelt sich dann lange auf diesem Wert ein. Ab diesem Zeitpunkt verläuft die Degradation deutlich langsamer. Noch bis ins zweite Jahr hinein ließen sich Ladevorgänge messen, die dem Akku eine Gesundheit von bis zu 85% bescheinigten. In den letzten 12 Monaten änderte sich das grundlegend. Immer häufiger erfasste die App Ladevorgänge mit einer Akkugesundheit von nur 67 bis 80%. Vor allem annähernd vollständige Ladezyklen (20-100%) lieferten diese schlechten Werte, während kurzes Zwischenladen (30-80%) eine Akkugesundheit von über 80% erreichte. Hinzu kommt, dass die letzten 10% des Akkus kaum mehr nutzbar sind. Hier könnt ihr der Akkuanzeige beim Fallen zusehen, danach braucht das Handy dringend eine Steckdose.
Auswirkungen auf die Praxis?
Aber wie wirkt sich dieser Verschleiß auf die tägliche Nutzung aus? Mit einer Akkuladung schaffe ich es nicht mehr über den Tag. Während in der Anfangszeit bis zu zwei Tage Laufzeit möglich waren, muss ich das Handy mittlerweile am frühen Nachmittag nachladen. Die neuen Systemupdates (HyperOS) und die intensivere Nutzung des Handys tragen vermutlich ebenfalls zur kürzeren Laufzeit bei.
Durch die häufigen Ladevorgänge des letzten halben Jahres nimmt der Verschleiß natürlich enorm an Fahrt auf. Während anfangs ein Vollzyklus für zwei Tage Laufzeit ausreichte, lade ich mittlerweile bis zu 3 Vollzyklen in zwei Tagen nach. Der Akkuverschleiß steigt dadurch stark an. Genau deshalb sehen die meisten Hersteller einen Handyakku ab der Grenze von 80% als annähernd verschlissen an. Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass der Akku keine Energie mehr bereitstellen kann, aber die zunehmende Anzahl der Ladezyklen treibt den Verschleiß weiter an.
Ab einem Zustand von etwa 80 Prozent Akkugesundheit nimmt der noch verfügbare chemische Puffer in den Elektroden stark ab. Damit steigt die physikalische Belastung der verbleibenden aktiven Materialien überproportional. Die Lithium-Ionen müssen sich nun auf weniger intakte Bereiche verteilen, was zu lokalen Überlastungen führt. Zusätzlich vergrößert sich der innere Widerstand der Zelle durch jahrelange Mikrorisse in der Struktur, weshalb beim Laden und Entladen deutlich mehr Abwärme entsteht. Da Temperatur chemische Alterungsprozesse massiv beschleunigt, treibt diese zusätzliche Eigenwärme den weiteren Verschleiß immer schneller voran.
Fazit nach fast 1.000 Tagen Nutzung
Nach über zweieinhalb Jahren intensiver Nutzung und rund 700 absolvierten Ladezyklen zeigt das Poco F5 im Alltag ein typisches und physikalisch vollkommen erwartbares Alterungsbild. Während das Smartphone in der Anfangsphase dank seines effizienten Prozessors und der soliden Akkukapazität problemlos durch den Tag kam, macht sich der natürliche Verschleiß mittlerweile deutlich bemerkbar. Der Akku hat die kritische Marke von rund 74 Prozent Restgesundheit erreicht. In der Praxis muss ich das Gerät bei normaler Nutzung deshalb am frühen Nachmittag nachladen.
Spannend ist dabei die Erkenntnis, dass der Alterungsprozess keineswegs linear verläuft. Nach einem anfänglichen Kapazitätsverlust im ersten Jahr hielt sich der Akku über lange Zeit stabil, ehe er ab der Marke von rund 80 Prozent Gesundheit in eine Phase beschleunigter Degradation übergegangen ist. Der erhöhte innere Widerstand der Zelle sorgt zusammen mit der täglichen Schnellladung für eine stärkere Erwärmung und damit für einen sich selbst verstärkenden Verschleiß.
Technisch liefert das Poco F5 auch nach dieser Zeit noch eine hervorragende Performance ab und muss keineswegs sofort ausgemustert werden. Wer jedoch weiterhin uneingeschränkte Mobilität ohne tägliches Zwischenladen erwartet, wird sich kurz- oder mittelfristig mit dem Gedanken an einen Akkutausch anfreunden müssen.
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Interessant wäre gewesen, wie sich das gleiche Gerät benommen hätte, wenn es jedes Mal mit weniger Leistung geladen worden wäre.
Das hatte ich auch! Hatte es drei Jahre genutzt, der Akku hatte mich immer noch über den Tag gebracht. Da keine Sicherheitsupdates mehr zu erwarten waren, habe ich es als Trade In für mein neues Poco X8 Pro Max missbraucht. 😉Das ist zwar dicker und schwerer als das F5, aber für drei Tage Akkulaufzeit nehme ich das gerne in Kauf. Im Vergleich zum X8 Pro Max wirkte das Gehäuse allerdings wesentlich billiger…